Was Gummibärchen mit Albert Einstein und Wahrscheinlichkeit zutun haben?
Alles, zumindestens für die Schüler im Schnupperstudium.

Bilder  der Naturwissenschaft

„Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig“. Albert Einstein. Meine Neugierde für unlösbare Probleme und Rätsel beschert mir im Allgemeinen schräge Seitenblicke. Seitdem  ich – freiwillig – beim Schnupperstudium für Mathematik und bei einem Chemieseminar an der Uni gewesen bin, halten mich alle für völlig durchgeknallt. Glücklicherweise nur solange bis die nächste Mahte-Klausur vor der Tür steht. Dann ist es nämlich plötzlich doch nicht so schlecht, einen Mathefreak wie mich zu kennen.

Aber kann es sein, dass man ein bisschen verrückt sein muss, um Naturwissenschaften zu mögen?

Ein Haufen Verrückter?

Gleich die erste Vorlesung des Schnupperstudiums „Physik macht Spaß“ lässt mich zweifeln, ob die Naturwissenschaftler noch alle Tassen im Schrank haben. Der Professor und sein Assistent ziehen alle Register ihrer Experimente-Trickkiste. Sie freuen sich dabei wie kleine Kinder, die Versuche vorführen zu dürfen. Das Lieblingsstück des Assistenten ist eine Feuerorgel: Mehrere Flämmchen nebeneinander, die je nach Frequenz eines Tones unterschiedlich hoch stehen. Als krönenden Abschluss spielt er seine Lieblingslieder „unterfeuert“ von der Feuerorgel. Für mich steht fest, dass ich keine Verrückten vor mir habe, sondern jung gebliebene Erwachsene, die ihren Spieltrieb zum Beruf gemacht haben.

Allerdings lassen sich manche Eigenheiten der Naturwissenschaftler nur schwerlich auf einen Spieltrieb zurückführen.

Die Hölle der Gummibärchen

„Szichuchuchu“, es zischt, brodelt, dampft, pinke Flammen züngeln im Reagenzglas, es riecht nach Karamell. Es handelt sich um ein Experiment aus dem Chemieunterricht in der Schule, nicht allzu spannend für Chemiestudenten. Doch dieser Versuch stellt sie vor eine Aufgabe:  Wie viele gehen? Aus einem Gummibärchen werden zwei, daraus drei … und daraus ein ganzer Spieß. Um aber die armen Bären zu schützen wird auch gerne zu einem Standardversuchstier gegriffen: der Maus. Das Ergebnis in der Hölle ist nicht ganz so spektakulär. Weiße Mäuse riechen nämlich nicht nach Karamell, dafür ist es viel leichter, ihnen Gesichter aufzumalen und ihnen Namen zu geben.

Wie wahrscheinlich ist Gerechtigkeit?

Eine Münze wirbelt durch die Luft. Ein einfaches,  Münzspiel. Es wird abwechselnd geworfen. Ich gewinne bei vier mal Kopf, meine Mitspielerin bei Zahl-Zahl-Kopf-Kopf. Aber warum gewinnt sie nur die ganze Zeit? Eigentlich müssten doch beide Wurfkombinationen gleich wahrscheinlich sein, oder nicht?
Unsere Neugierde ist geweckt. Doch um heraus zu bekommen ob oder warum zweimal Zahl und zweimal Kopf wahrscheinlicher ist, bedarf es über zwei Stunden Kopf zerbrechen.
Genau das ist für mich das Reizvolle an solchen Aufgaben. Aus einer einfachen Beobachtung oder Überlegung kann ein komplizierter Gedankengang werden.
Aber auch eingefleischt Naturwissenschaftler brauchen Mal eine Pause und vor allem auch etwas zu essen.

Die „Alt-Weiber-Mühle“ alias Mensa

Von 11:30 Uhr bis 14:00 Uhr ist sie geöffnet; die Mensa. Doch bis man sein Essen in Ruhe an einem der vielen kleinen Tische verspeisen darf, muss man, wie in einer Alt-Weiber-Mühle – nur ohne Zerrspiegel – einige Hindernisse überwinden.
Zunächst steht man vor der Qual der Wahl, welches Essen, von vier angebotenen, man möchte, oder ob man doch lieber das Buffet aufsucht. Entscheidet man sich gegen das Buffet, so muss man der rechten Treppe, beziehungsweise der Menschenmasse folgen. Oben angelangt greift man sich rasch ein Tablett und Besteck und sieht zu das man möglichst schnell zu der richtigen Essensausgabe kommt. Nun folgt ein einfacher Teil: man umrundet die Salattheke und schon steht man an der Kasse. Spätestens jetzt sollte man seine Mensakarte zücken, um sie zügig auf das Kartenlesegerät zu legen. Endlich kann man sich einen Platz in der Mensa suchen, was auch mal etwas länger dauern kann.
Aber wenigstens ist das Essen dann in einer angenehmeren Temperatur um überhaupt verspeist zu werden.

Vorlesungen

Plonk. Ein leiser Fluch. Unbeeindruckt davon rollt der Kuli weiter abwärts. Doch es besteht keine Möglichkeit ihn vor Ende der Vorlesung wieder zurück zu bekommen. Denn selbst wenn niemand in der Reihe sitzt ist es relativ schwierig durch zulaufen. Sogar ich mit meinen knapp über 1,60m muss mich zusammenfalten um  halbwegs bequem zu sitzen. Aber man gewöhnt sich daran. Vorsichtig nehme ich meinen Block vom Tisch, den er vollends ausfüllt, klappe ihn nach oben und krame einen zweiten Stift aus meiner Tasche. Erneut versuche ich dem Vortrag des Professors zu folgen und das was ich für wichtig oder interessant halte mit zuschreiben. Kein leichtes Unterfangen, denn die Sprache der Profs ist nicht immer unbedingt verständlich.

Groß – größer – Uni

Den Kopf im Nacken, blicke ich an dem weiß-schwarz-grauen Gebäude nach oben. Ganz schön hoch das Chemie- Hochhaus.  Der eine Eingang besteht aus zwei nicht gerade einladenden Türen. Ich drücke eine auf, und knalle fast gegen eine zweite Tür. Dann steh ich in einer riesigen Halle und bleibe erstmal stehen um mich zu orientieren. Links von mir führt ein Durchgang zu einem Treppenhaus und zu zwei Aufzügen. In der Mitte des Raumes befinden sich einige Treppenstufen, dahinter auf der linken Seite ist ein Gang, rechts davon befindet sich eine Treppe, gefolgt von einer Tür, die zu einem der Vorlesungsräume führt, direkt daneben befindet sich eine Wendeltreppe.

Und jetzt?

Manche werden sich jetzt fragen, was mir mein Ausflug in die Uni gebracht hat? Einiges.

Zunächst die Bestätigung, dass es nicht unmöglich ist Mathe oder Chemie zu studieren. Was ja eigentlich schon einige Menschen bewiesen haben. Natürlich braucht man gewisse Voraussetzungen;
man sollte sich für das Fach interessieren – verständlich, oder? Außerdem kann es nicht schaden, wenn man ein wenig Geduld mitbringt. Zur Not darf man nicht total verzweifeln, wenn man für die Lösung eines Problemes länger braucht oder auch mal gar nicht auf die Lösung kommt.

Die Gewissheit, dass ich nicht der einzige Spinner bin, sondern dass es viele Menschen gibt, die sich auch liebend gerne mit Dingen beschäftigen, bei denen jeder “Normalsterbliche” den Kopf schüttelt.

Der Beweis, dass Frauen genauso gut in Naturwissenschaften sind wie Männer. Nur leider noch nicht statistisch, aber die Frauenquoten steigen.

Die Erkenntnis, dass ich auf jeden Fall zu diesem bunten,  etwas verückten Haufen dazu gehören möchte.

Chemiehochhaus 2 bearb mittel

Chemiehochhaus bearb mittel

Eingang2 bearb mittel

Eingang 1 bearb mittel

Mathematisches institut bearb,mittel

Chemiker =) bearb mittel

Heike D.