Florentine Müller an Florentine Maier kommen!

Der harte Alltag der Feuerwehr

Von Marie Schöpflin

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, kommt mir spontan ein Satz in den Sinn: “Wir laufen hoch zur Feuerwehr!” Das kommt daher, dass unsere autofreien Spazierwege am Haslacher Dorfbach entlang zur Hauptfeuerwache der Freiburger Feuerwehr führten. Die ca. zwei Kilometer Fußweg bis dorthin endeten immer mit einem bestaunenden Blick auf die faszinierenden Fahrzeuge, und einem Blick auf die stets beschäftigten Feuerwehrleute.Bis heute gehören die Feuerwehr und ihre Geräuschkulisse, mit Blaulicht und Sirene, zu meinem Alltag. Eigentlich nichts Besonderes.
Bis ich vor ca. zwei Jahren durch meine Freundin ein Mitglied der Jugendfeuerwehr, David, kennenlernte und ich mich fragte, wie man eigentlich zur Feuerwehr kommt.

Ganz spontan lud mich David dazu ein, ihn einen Abend lang zur Jugendfeuerwehr Lehen zu begleiten. Natürlich war ich sehr aufgeregt, da ich nicht genau wusste was auf mich zukommt. Allerdings bekam ich einen kleinen Hinweis darauf, dass  kein trockener Theorieabend auf mich warten sollte, durch die Aussage :” Sei froh, dass du uns nicht im Sommer besuchst, sonst würdest du ziemlich nass werden!” Na gut. Zum Glück hatten wir Winter.
In Lehen erwartete mich eine Gruppe von zehn Jungs, im Alter zwischen zehn und vierzehn Jahren, die von einem Berufsfeuerwehrmann und drei Jugendausbildern geleitet wird. Die drei Ausbilder, die selbst aus der Jugendfeuerwehr kommen, studieren oder drücken sogar noch die Schulbank. Es sind junge Leute, die diszipliniert genug sind, um die Jungs zu motivieren eine ernstzunehmende Sache spielerisch zu erlernen.
An diesem Abend stand der richtige Umgang mit dem Funkgerät auf dem Plan. Zwei von ihnen wurden mit einem Funkgerät ausgestattet und bekamen fünf Minuten Vorsprung um Ziellos in Lehen herumzuspatzieren. Die Übrigen wurden in zwei Gruppen mit jeweils einem Leiter aufgeteilt, um die beiden Ausreißer zu orten. Bei diesem Spiel lernten die Jugendlichen sich ordnungsgemäß über Funk zu verständigen. Wie kompliziert diese Verständigung wirklich ist, war mir bis zu diesem Abend nicht klar.

“Florentine Müller an Florentine Maier kommen”
-”Florentine Müller kommen”
” Bitte aktuellen Standort durchgeben” …
Ich verstand nur Bahnhof. Doch für die Jungs war es ein großer Spaß, sich in vollkommener Dunkelheit und bei zwei Grad minus durch den Schnee zu kämpfen. Zwei Stunden vergingen wie im Flug und am Ende der Lektion konnten sich alle sehr gut über Funk verständigen. Sogar ich.

Zwischendurch hatte ich Gelegenheit, den Ausbildern Fragen zu stellen, wie sie sich zum Beispiel ihre Zukunft vorstellen. Mich überrachte es nicht, dass sich die Mehrheit der Ausbilder für einen Beruf innerhalb der Feuerwehr interessiert, sei es als Berufsfeuerwehrmann, Arzt oder Sanitäter. Deutlich wird in den Gesprächen, dass sich die Jungs der Feuerwehr sehr um das Allgemeinwohl sorgen und soziales Interesse zeigen. Dabei ist es letztendlich egal welchen Beruf sie später wählen, denn in jeder Bewerbung lässt es sich gut sehen, wenn man als Jugendlicher solches Engagement zeigt. Mit einem gewissen Stolz tragen die Jugendlichen daher ihre Feuerwehruniform, weil sie den Leuten zeigt, dass sie einem guten sozialen Umfeld angehören und sie sich dadurch in ihrem Tun bestätigt fühlen.
David kam durch den Tag der offenen Tür der Feuerwehr Lehen zu dieser Gruppe. Andere Feuerwehren werben mit direkten Briefen an die Haushalte, deren Kinder das Mindestalter von zehn Jahren erreicht haben oder durch das Internet. Am besten ist aber immer noch die Mund-zu-Mund Propaganda, um neue Mitglieder zu werben. Aber ist Werbung für die Feuerwehr wirklich nötig?
Die Jugendfeuerwehr macht Jugendliche fit für den eventuellen späteren Beruf. Zum einen steigen circa 40 Prozent der heutigen Jugendfeuerwehrleute in die Freiwillige Feuerwehr ein, zum anderen ist die Jugendfeuerwehr eine sehr gute Vorbereitung auf jeden erdenklichen Beruf. Hier lernen die Jugendlichen, in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie werden nicht zu Supermännern ausgebildet, aber zu klar denkenden und gut strukturierten jungen Menschen.

Die Berufsvielfalt innerhalb der Feuerwehr ist sehr weit gefächert. Angefangen bei Einsatzleuten, die in Notsituationen die Lage überblicken müssen, die Brände löschen, Keller auspumpen, Tiere retten oder bergen, Sturmschäden beseitigen und allem voran natürlich Menschen retten. Hier kommt des öfteren ein Psychologe zum Einsatz, der auch zu einem “Feuerwehrteam” gehört. Oder die vielen Sanitäter, die die Ärzte vor Ort unterstützen.
Jeder Feuerwehrmann muss unbedingt Erste Hilfe leisten können und auch leisten. Stets müssen diese Männer immer auf dem aktuellen Stand sein, was die Erste Hilfe angeht. Das wiederum zeigt, dass man bei diesem Beruf nie auslernen kann.

Apropos dazulernen. Natürlich ist es bei der Feuerwehr Pflicht, an ständigenFortbildungen und Neuerungen für den Brand-, bzw. Katastrophenschutz teilzunehmen. Nicht nur die Berufsfeuerwehren, sondern auch die Freiwilligen Feuerwehren sind dazu verpflichtet sich ständig neu zu beweisen, indem sie an Übungen und Löschaktionen aktiv teilnehmen. Die Sicherheit aller Menschen muss durch eine zuverlässige Feuerwehr gewährleistet sein.

Bei der Feuerwehr sind nicht nur die Berufe der körperlichen Hilfestellung gefragt, sondern auch Handwerksberufe jeglicher Art. Automechaniker sind ebenso wichtig wie Elektriker oder Elektroniker, die mit neuester Technik die Einsätze über Computer steuern können.
Was unter anderem auch zum Berufsbild gehört ist, die Aufklärungsarbeit für die Öffentlichkeit, wie zum Beispiel in Informationsveranstaltungen, Schulen und Haushalten, abhalten müssen. Hier bringen Experten den Menschen bei, wie sie Brände vorbeugen können und wie sie sich bei Bränden verhalten müssen, um dadurch auch indirekt Leben retten zu können.

Trotz des Zeitalters der Emanzipation kann man feststellen, dass der Beruf in der Feuerwehr weiterhin ein typischer Männerberuf ist und höchstwahrscheinlich auch bleiben wird. Die körperliche Leistung, die einzusetzen ist um diesen Beruf ausüben zu können, ist für Frauen oft zu schwer. Das ist eine biologische Tatsache.
Tatsache ist auch, dass neben der körperlichen Fitness die Psyche sehr gut trainiert werden muss. Oft müssen die Einsatzleute tote Menschen bergen, schrecklichste Unfälle hautnah miterleben und ihre Gefühle in diesen Momenten komplett ausblenden können, um für ihren Einsatz klar denken und handeln zu können. Emotionen sind in diesen Augenblicken fehl am Platz. Was aber nicht automatisch heißt, dass die Einsatzleute kein Mitgefühl mit den Opfern und Angehörigen haben. Sehr oft müssen sich auch Feuerwehrleute in psychologische Behandlung begeben, um das Erlebte zu verarbeiten.
Dennnoch ist die Tätigkeit als Feuerwehrmann ein anstrebenswerter und zukunftsorientierter Beruf.

Auch heute noch “laufe ich hoch zur Feuerwehr”, wenn ich der Fitness zu liebe ein Joggingrunde drehe, oder wenn ich mich morgens mit meinem Fahrrad auf den Weg zur Schule mache. Die Feuerwehr gehört nach wie vor zu meiner täglichen Wahrnehmung, aber inzwischen sehe ich sie aus einem ganz anderen Blickwinkel. Ich bewundere die Menschen, die täglich ihr Leben für andere aufs Spiel setzen um ihnen zu helfen. Und angefangen hat das bei vielen schon bei der Jugendfeuerwehr.

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Es gibt 5 Kommentare zu diesem Beitrag.
Louisa B
27.01.10 15:05
Louisa B

Hey du hast glaub einen schreibfehler bei deiner überschrift :D

juem
03.02.10 09:59
juem

Florentine an Florentine, bitte kommen!
Die Ausbildung in der Jugendfeuerwehr kann sehr viel Spaß machen, aber auch mächtig anstrengend sein

juem
19.04.10 20:08
juem

Hallo Marie! Ich vermisse noch einen Kasten mit einigen Infos zur Freiburger Feuerwehr. Da lässt sich doch bestimmt mit wenig Aufwand recht spannendes Zahlenmaterial zusammentragen. Und ein wenig schade finde ich es auch, dass Sie – “biologische Tatsache” hin oder her – so gar nicht auf Initiativen von Frauen in der Feuerwehr eingehen. Links dazu habe ich im Kommentar unter Ihrem Werkstatt-Artikel aufgeführt. Ein Absatz als eine Art Exkursion zum Thema würde Ihrem Text gut zu Gesicht stehen.

Marie S.
20.04.10 20:52
Marie S.

zu den “biologischen tatsachen” möchte ich gerne einen infokasten machen, bei dem es grob um die ausbildung der frauen in der feuerwehr geht.. ich warte leider bis heute vergeblich auf eine antwort von einem bekannten aus der feuerwehr… bei den bildern sehen sie ja, was bei mir schiefläuft… ich hab ihnen ja am mittwoch schon gesagt dass picknick bei mir nichtmehr funktioniert um die bilder zu bearbeiten… ich hab jetzt mal eins reingestellt, damit sie sehen dass ich welche habe ;)

juem
21.04.10 09:31
juem

Wenn etwas nicht mehr funktioniert, darf man den Mut nicht verlieren, sondern kann in die Google-Suche zum Beispiel eingeben “picnik kann nicht geöffnet werden” und erhält u.a. folgendes Ergebnis, das vielleicht weiter hilft: Picnik-Hilfe.

Am Mittwoch hatte ich Ihnen den Tipp gegeben, es mit Gimp zu versuchen (dessen Installation auf Ihrem PC hoffentlich geklappt hat). Hier im Blog auf der Hilfe-Seite “Ein Foto mit Gimp für die Wiedergabe im Internet vorbereiten” ist beschrieben, wie Sie Ihr Bild bearbeiten können.

Es ist wirklich ganz einfach! Ihr großes Bild habe ich so auf 800×600 Pixel herunter gerechnet und zur Ansicht in Ihren Artikel eingefügt. Ein tolles Foto übrigens! Bin gespannt auf die anderen.

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