Wie lebt es sich als Mutter wenn man selbst noch fast ein Kind ist!?

Janina (Name geändert) traut ihren Augen nicht! Auch beim zweiten Schwangerschaftstest färbt sich das weiße Kästchen nach und nach rot. Sie ist sechzehn Jahre alt und geht in die zehnte Klasse. Außerdem hat sie seit einem halben Jahr einen Freund und nimmt die Anti-Baby-Pille. Auf einmal ist sie sich jedoch nicht mehr so ganz sicher, diese immer zur richtigen Zeit eingenommen zu haben. Überhaupt weiß sie gerade gar nicht mehr, was sie denken soll. Vor zehn Tagen hätte sie ihre Periode bekommen sollen, aber auch heute, am elften Tag blieb sie aus. Schließlich ging sie in den Drogeriemarkt um sich einen Schwangerschaftstest zu kaufen. Sie wollte eigentlich nur die Bestätigung haben, nicht schwanger zu sein. Und nun das! Janina ist fassungslos. Ihr Magen zieht sich zusammen und ihr wird kotzübel. Mit zittrigen Fingern versucht sie sich die Tränen, die ihr über die Wangen laufen, wegzuwischen.

Das Schlimmste allerdings ist das Angstgefühl, sind  die Fragen, die sie plötzlich überkommen. Wie soll ich das bloß meinen Eltern beibringen? Werden sie mich rausschmeißen? Was wird mein Freund dazu sagen? Wird er mich verlassen? Und wie sieht es mit der Schule aus? Oh Gott die Schule…Sicherlich kann ich nicht einmal meinen Realschulabschluss machen, dieses Jahr! Und was, wenn ich das Kind einfach nicht bekomme?

Janina ist nicht die einzige der es so ergeht. Immer wieder passiert es, dass Mädchen trotz Aufklärung und den heutzutage unterschiedlichsten Verhütungsmitteln minderjährig schwanger werden. Dafür gibt es verschiedene Gründe und auch nicht jedes minderjährige Mädchen wurde ungewollt schwanger. Der wohl häufigste Grund einer ungewollten Schwangerschaft ist das Versagen von Verhütungsmitteln, die nicht richtig eingesetzt wurden. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Mädchen die Anti-Baby-Pille mehrmals zu spät eingenommen hatte, und sie dadurch nicht mehr hundertprozentig geschützt war, wie es bei Janina der Fall war. Aber auch, dass in der Schule die Sache mit der Aufklärung der Teenager nicht genug ernst genommen oder zu spät angesprochen wird; das Verspüren eines Kinderwunsches, um Problemen aus dem Weg zu gehen, zählen zu den Gründen, warum einige Mädchen minderjährig schwanger werden.

Am meisten Überwindung hat es Janina gekostet, ihrer Mutter von der Schwangerschaft zu erzählen. Oft stehen einem die Eltern sehr nahe und man weiß nicht, wie man es ihnen sagen soll, da sie womöglich sehr schockiert sind, überreagieren und mit einem Rauswurf drohen könnten. Deshalb verstecken viele junge Mütter ihren Bauch vor Eltern oder Freunden, weil sie sich schämen oder Angst vor den Konsequenzen haben. Auch Janina war sich sehr unsicher und hatte große Angst mit ihrer Mutter darüber zu sprechen. Am liebsten hätte sie sich in ihrem Zimmer verkrochen und wäre nie wieder herausgekommen. Aber nachdem sie sich von einer Freundin Ratschläge geholt hatte, war ihr klar, dass ihre Mutter es früher oder später sowieso mitbekommen würde und dies ein erster Schritt ist, der Realität ins Auge zu sehen. Leider gibt es jedoch Fälle, in denen Mädchen ihr Kind ganz allein und ohne jegliche Hilfe zur Welt bringen, da sie ihre Eltern nicht informieren und diese sich den dicken Bauch ihrer Tochter mit Gewichtszunahme in der Pubertät erklären. Für viele Eltern ist es eine Katastrophe, wenn sie merken, dass ihre Tochter schwanger ist. Trotzdem braucht diese, so auch Janina sehr viel Unterstützung und Aufmerksamkeit. Aus diesem Grund ist es hilfreich, wenn die Eltern versuchen ruhig zu bleiben, ihre Tochter zu unterstützen, zu ihr zu stehen und viel mit ihr zu reden.

Nach dem Gespräch mit ihrer Mutter ist Janina auf das Jugendamt gegangen, in welchem sie sich über ihre Rechte als minderjährige Schwangere und Mutter informiert hat.

  • Auf dem Jugendamt darf kein Druck auf das Mädchen ausgeübt werden, das bedeutet, dass ohne die Einwilligung der Minderjährigen die Eltern weder über die Beratung informiert, noch zur Beratung hinzugezogen werden dürfen.
  • Eine minderjährige Schwangere kann selbst darüber entscheiden, ob sie das Kind bekommen möchte oder einen Schwangerschaftsabbruch vorzieht, wenn sie nach ihrem Reifegrad in der Lage ist, die Bedeutung eines Schwangerschaftsabbruchs und dessen Tragweite für ihr Leben zu erkennen. Ansonsten haben die Eltern der Minderjährigen das Recht darauf, zu entscheiden, was mit dem Baby passiert.
  • Wenn die Mutter minderjährig ist, hat sie zunächst keinen Anspruch auf das Sorgerecht. Bis zu ihrem 18. Geburtstag wird vom Jugendamt ein Vormund für das Kind bestellt. Das können auch die Eltern der jungen Mutter sein oder gegebenenfalls der Vater des Kindes, sofern dieser volljährig ist.
  • Da eine minderjährige Mutter selten schon einen Beruf hat, gibt es für sie und ihr Kind besondere finanzielle Leistungen. In Freiburg ist hierfür die Arge (Jugendagentur) zuständig.
  • Wenn eine junge Mutter nicht zuhause wohnen kann, kann sie  einen Platz in einer Mutter-Kind-Einrichtung bekommen. Dort erhält sie fachkundige Unterstützung. Die Kosten können vom Jugend- oder Sozialamt übernommen werden.
  • Selbstverständlich kann trotzdem, wenn möglich freiwillig, die Schule besucht werden. Damit dies möglich ist, passt häufig ein Elternteil der minderjährigen Mutter auf das Baby auf. Wenn beide Eltern berufstätig sind, wie es heutzutage oft der Fall ist, kann man auch eine Tagesmutter in Anspruch nehmen, welche ebenfalls vom Jugendamt bezahlt wird.
  • Ab 16 Jahren können minderjährige Eltern mit Zustimmung der Eltern oder des Jugendamtes eine eigene Wohnung beziehen. Bei der Stadtverwaltung kann ein Wohnberechtigungsschein beantragt werden und die Jugendlichen können sich wohnungssuchend melden. Als Zuschuss zur Miete gibt es das Wohngeld, welches bei der Wohngeldstelle der Stadtverwaltung zu beantragen ist.
  • Die Schulpflicht besteht natürlich weiterhin. Niemand wird wegen einer Schwangerschaft von der Schule verwiesen. Allerdings kann ein Antrag auf Schulpflichtbefreiung gestellt werden, falls die Betreuung des Kindes nicht anderweitig gesichert werden kann. Nimmt eine junge Mutter, die sich in Ausbildung befindet, Elternzeit, so verlängert sich die Ausbildungszeit entsprechend. Diese Elternzeit, die Mutter und Vater nehmen können, beträgt bis zu drei Jahre ab der Geburt. In dieser Zeit besteht Kündigungsschutz.

Janina ist heute siebzehn Jahre alt und hat einen einjährigen Sohn namens David (Name geändert), der sie ganz schön auf Trab hält. Sie wirkt reifer und erwachsener als vor einem Jahr. Vielleicht, weil sie ein Jahr älter ist, vielleicht aber auch, weil sie ihr Kind auf dem Schoß sitzen hat. Wie zuvor wohnt sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern zusammen. Da sie weiterhin zur Schule geht, hat sie eine Tagesmutter, die jeden Tag auf David aufpasst. Für sie hat sich vieles geändert. Sie muss lernen für zwei Personen zu planen und auch öfter mal zurückstecken. Mit dem Vater ihres Sohns ist sie nicht mehr zusammen, dennoch ist sie sehr glücklich und plant demnächst mit David in eine eigene Wohnung zu ziehen.

„Auf der Straße werde ich auf meinen süßen kleinen Bruder angesprochen“

Da es nicht alltäglich ist, mit 16 Jahren ein Kind zu bekommen, ist Janina viele Fragen über ihr Leben mit dem Baby gewohnt. Aus diesem Grund war es für sie kein Problem, in einem Artikel eines Jugendmagazins zu erscheinen. Sie war zudem zu einem persönlichen Interview bereit und hofft dadurch auch, Vorurteile über junge Mütter abschaffen zu können.

Wie fühlt man sich, was geht einem durch den Kopf, wenn man merkt, schwanger zu sein?

Janina: Mir persönlich war zum heulen zumute. Ich habe auch sehr geweint und das einzige, an das ich dachte, war die Schule, da ich ja erst sechzehn war. Ich denke aber, dass es vielen Mädchen, in der selben Situation genauso geht wie mir.

Warum bist du schwanger geworden?

Diese Frage stelle ich mir bis heute und kann sie mir nur mit einem Anwendungsfehler der Pille beantworten, die ich damals genommen habe.

Wie sieht es mit der Schule und mit der Freizeit aus?

Die Schule ist mir sehr wichtig. Ich habe meine Mittlere Reife gemacht, und nun versuche ich mich an einer Ausbildung als Erzieherin und mache zusätzlich noch die Fachhochschule. Das ist schon sehr viel Arbeit, wenn man ein Kleinkind hat. Ich habe aber auch sehr viel Unterstützung von zuhause, was mir natürlich vieles erleichtert. Es kann wirklich sehr anstrengend sein, aber nach einer Weile wächst man in diese Rolle rein und es macht mir wirklich viel Spaß mit dem Kleinen. Da ich noch zuhause wohne, ist es für meine Mutter kein Problem hin und wieder auf ihn aufzupassen, wodurch ich auch genug Freizeit habe. Das einzige, was mich stört, ist, dass ich durch das Baby sehr unspontan geworden bin und alles genau planen muss.

Was hältst du von Abtreibung?

Ich finde, dass eine Abtreibung keine Kleinigkeit ist, die man von heute auf morgen beschließen kann. Man sollte es sich gut überlegen, da es bestimmt Mädchen gibt, die es später sehr bereuen werden. Aber im Grunde genommen kann ich jedes Mädchen gut verstehen, die ein Kind abtreibt, weil sie selbst noch sehr jung ist und sich noch nicht reif genug fühlt, ein Kind zu erziehen.

Wie haben deine Eltern reagiert?

Zu meinem Glück haben meine Eltern sehr locker reagiert und es von Anfang an akzeptiert. Natürlich war der Schock am Anfang groß, aber besonders meine Mutter hat sich sehr gefreut.

Was gibt es für Beratungsstellen- und Beratungsmöglichkeiten  für minderjährige Schwangere in Freiburg?

Es gibt natürlich ProFamilia mitten in der Stadt, das einem sehr viel Unterstützung gibt und einen weiterleitet an verschiedene Organisationen, wie zum Beispiel „Chaos im Bauch“, was vom Jugendhilfswerk in der Wiehre angeboten wird und mit ProFamilia kooperiert.  Dort treffen sich junge Schwangere oder Jugendliche mit ihren Kinder zwei mal im Monat. Man kann sich gegenseitig bei Tee und Kuchen austauschen und auch Kleider können getauscht werden. Man muss sich vorher nicht anmelden, sondern kann kommen und gehen wie man möchte. Ich persönlich war aber noch nicht dort. Außerdem gibt es die Jugendagentur, die Arge, die sich im selben Gebäude befindet wie ProFamilia. Diese kümmert sich um die Finanzen nach der Geburt eines Kindes und zudem um das Berufsleben. Zum Beispiel verhilft sie einem zu einer Teilzeitausbildung (TAF) für junge Mütter. Zudem gibt es das Haus des Lebens und das „MuK“ (Mutter und Kind), in dem junge Mamas leben können.

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Glaubst du, dass es anders oder schwieriger ist, ein Kind zu erziehen, wenn man noch sehr jung ist?

Naja, einfach ist es auf keinen Fall, weil man seinem Kind die ganze Zeit gerecht werden muss, auch wenn man nach der Schule einfach nur schlafen möchte oder abends lieber mal Party machen würde, anstatt auf der Couch zu sitzen und zu warten, dass das Kind einschläft. Aber trotzdem versuche ich immer mein Bestes und es macht sehr viel Spaß.

Wie sieht ein typischer Tag von dir aus?

6:00Uhr aufstehen, 7:00Uhr  Baby zur Tagesmutter bringen, 7:50Uhr Schule, 16:00Uhr: Schule aus, 16:15Uhr David abholen, 16:30Uhr  Mit meinem Sohn etwas unternehmen; lernen, 21:00Uhr  ins Bett

Zudem habe ich einmal in der Woche abends tanzen und jeden Freitagabend bin ich unterwegs. In dieser Zeit passt meine Mutter auf den Kleinen auf.

Bekommst du deiner Meinung nach genug finanzielle Unterstützung vom Staat?

184 Euro Kindergeld, 205 Euro Landeserziehungsgeld, 238 Euro Jugendagentur,117 Euro Unterhalt sind zusammen 744 Euro im Monat. Ich finde diese Menge an Geld angebracht und komme gut damit aus.

Wie reagieren Freunde, Familie, Lehrer, fremde Leute?

Eigentlich haben bis jetzt alle positiv reagiert. Alle stellen sehr viele Fragen und es scheint sie zu interessieren. Manchmal, wenn meine Mutter, David und ich in Freiburg rumlaufen, sehe ich Fragezeichen in den Gesichtern der Leute, die sich fragen, wer von uns beiden denn die Mutter ist. Ab und zu, wenn ich mit ihm allein unterwegs bin, werde ich auf „meinen süßen kleinen Bruder“ angesprochen. Ich denke jedoch, dass das normal ist und die Leute es sicher nicht böse meinen, schließlich könnte es wirklich mein kleiner Bruder sein. Eigentlich ist es eher lustig und besonders spannend finde ich es, die verwirrten Gesichter der Leute zu betrachten, wenn ich sage, dass er mein Sohn ist. Was meine gleichaltrigen Freundinnen betrifft, denke ich, dass sie mich bewundern aber nicht beneiden. Als ich schwanger wurde, standen sie alle total hinter mir, für was ich sehr dankbar bin. Zuerst waren alle geschockt und konnten sich mich, die Partymaus schlecht hin, nicht als Mutter vorstellen. Dann  haben sie sich teilweise versucht in meine Situation hineinzuversetzen um mir zu helfen. Heute, wo David auf der Welt ist, bieten sie mir an auf ihn aufzupassen, aber ich habe auch schon mitbekommen, dass sie teilweise etwas genervt sind, weil ich nicht mehr so viel Zeit habe und auch oft absage.

In meiner Familie gab es auch den ein oder anderen, der negativ reagiert hat. Sie dachten, dass ich jetzt die Schule schmeißen würde und wenn das Baby erst mal da ist auch nicht wieder den Anschluss finden würde. Jetzt wo David da ist, hat sich das aber gebessert.

Würdest du, wenn du wüsstest wie es sich zwischen Baby und deiner Jugendzeit lebt, dich wieder für das Kind entscheiden?

Auf jeden Fall! Ich wollte es nicht wieder rückgängig machen! Auf der einen Seite ist es sehr anstrengend, aber auf der anderen Seite macht es sehr viel Spaß und ich habe den David sehr, sehr lieb gewonnen. Zudem bekommt man durch ein Kind mehr Verantwortungsbewusstsein und man wird reifer.

Infobox

  • In manchen Ländern und Kulturen wird es als normal angesehen, minderjährig Kinder zu bekommen (zum Beispiel in manchen Stämmen Afrikas)
  • Seit 2001 gibt es einen leichten aber kontinuierlichen Rückgang von Jugendschwangerschaften
  • 8 von 1000 Frauen werden zwischen 15 und 17 Jahren schwanger–> 3-4 tragen das Kind aus –> 5 lassen es abtreiben –> minderjährige Frauen treiben ihr Kind häufiger ab, als dass sie es bekommen
  • 92% aller minderjährigen Schwangeren sind ungewollt schwanger geworden
  • Schulbildung hat massiven Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, minderjährig schwanger zu werden–> mehr als die Hälfte (54%) der schwangeren Mädchen besuchen eine   Hauptschule
  • 63% der befragten Schwangeren geben an, mit Kondom oder Pille verhütet zu haben, das weist auf gravierende Anwendungsfehler hin
  • 6590 minderjährige Frauen nahmen 2006 einen Schwangerschaftsabbruch vor à diese Zahl ist geringer als im Vorjahr

Stand: Deutschland, 2006   Quelle: BzgA

Quellenangaben

http://www.schwanger-in-bayern.de/schwangerenberatung/themen/weitere-themen/minderjaehrig-schwanger.html

http://www.schwanger-unter-20.de/gesetzliches/minderjaehrig-schwanger/

https://www.elternimnetz.de/cms/paracms.php?site_id=5&page_id=124

„Chaos im Bauch“, Jugendhilfswerk Freiburg

Interview mit junger Teeniemutter

BzgA

Was ich für mein Artikel gemacht habe:

  1. Informationen aus dem Internet
  2. Interview mit Janina (kenne ich privat)
  3. Einmaliger Besuch bei „Chaos im Bauch“ in der Wiehre
  4. Termin bei ProFamilia (wurde jedoch leider abgesagt)
  5. BzgA Heft von Stand 2006 von „Chaos im Bauch”–> Infobox

IMG_2252 Die zwei Seiten: Kinderwagen steht für die Mutter und der Inhalt (Schulhefte, Kopfhörer, Kalener, Sonnenbrille,…) für eine junge Frau

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