“… und hat an beiden Enden ein Tor.”

Jeder kennt sie… Doch wo haben sie angefangen? Wer ebnete ihnen den Weg zum Ruhm?

Es ist der 13. Januar 2010, die Sonne lacht und als ich durch das Eingangstor des Möslestadions trete, klappt mir der Mund auf. Wo bin ich den hier gelandet? Auf dem Trainingsgelände des FC Bayern oder was? Vor mir erstrecken sich 4 Fußballfelder in allen Varianten, Rasen, Kunstrasen und Hartplatz. Im Gebäude an der Rückseite der Tribüne werde ich schon erwartet. Ich habe einen Termin mit Frau von Mertens, Pädagogische Leitung der Freiburger Fußballschule.

Judith: Wie kam es zu der Idee 2001 eine Fußball Schule zu eröffnen?

Mertens: Es begann damit, dass es vom DFB gefordert wurde. Nach der WM 1998 in Frankreich bei der Deutschland im Achtelfinale, gegen Kroatien glaube ich, ausgeschieden ist, ging ein Aufschrei durch Deutschland, man hätte keine Talente und die Vereine würden nur teure Spieler aus dem Ausland kaufen. Daraufhin hat der DFB alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga dazu verpflichtet ein Nachwuchsleistungszentrum aufzubauen um die Lizenz für die entsprechende Liga zu bekommen. Freiburg liegt jetzt aber geographisch so ungünstig, dass wir im Prinzip auch Spieler von außerhalb holen müssen. Wenn man sich auf der Deutschlandkarte Regionen wie das Ruhrgebiet ansieht, kann man erkennen was das für ein Ballungsgebiet ist. Dort leben Millionen von Menschen mit einem perfekt ausgebauten S-und U-Bahnnetz, das heißt auch die Spieler die von weiter weg können relativ einfach zum Training kommen. Unser Einzugsgebiet hört allerdings schon im Schwarzwald auf, deshalb hat man sich für die große Lösung mit Internat entschieden.

Judith: Warum zog die Fußballschule ins Möslestadion?

Mertens: Damals war der FFC in diesem Station, konnte es aber nicht halten, da er finanziell ins Schlingern gekommen war. Daraufhin hat der SC die Anlage übernommen, weil er um das Badenova-Stadion nicht mehr expandieren konnte.

Judith: Wie ist dieses Gebäude aufgebaut?

Mertens: Oben ist die eigentliche Internatsetage. Hier auf der Rückseite der Mösletribüne ist auch noch die Verwaltung, de Aufenthaltsraum und die Küche. Im Erdgeschoss ist die medizinische Abteilung, Trainerbüros und Dienstzimmer. Ganz unten sind noch die Kabinen und die Halle.

Judith: Wie viele Jungs besuchen zur Zeit das Internat und für wie viele haben Sie Platz?

Mertens: Also wir haben hier im Internat 16 Plätze und vorne in dem weißen Haus am Eingang zusätzlich drei in einer Spieler-WG. Dazu kommen aber jeden Tag noch an die 150 Jungs zum Training. Es gibt einen internen und einen externen Zirkel. Für die Internen sind wir natürlich ganz intensiv da, weil auch die Eltern nicht hier wohnen. Doch die Externen werden hier zum Teil auch mitbetreut, da sie auf die selben Schulen gehen und gemeinsame Lerngruppen haben. Die Externen sind sowohl die aus den Gastfamilien als auch die aus der Region.

Judith: Wie alt sind die Jungs im Internat?

Mertens: Sie sind zwischen 15 und 19 Jahre alt.

Judith: 15 ist ja noch recht jung, fällt es denen, die weiter weg leben schwer sich am Anfang einzufinden?

Mertens: Das ist recht unterschiedlich. Zunächst ist es erstmal so, dass die meisten schon aus Deutschland kommen und idealer Weise auch aus Süddeutschland. Man versucht natürlich erstmal den Nachwuchs aus der Region zu fördern. Aber wir haben hin und wieder zum Beispiel auch Jungs aus der Schweiz oder aus Frankreich. Das heißt sie sprechen normalerweise Deutsch im Internat, da sie hier auch auf deutsche Schulen gehen müssen. Dann ist es ganz unterschiedlich mit Heimweh und so etwas, das sind Phasen die jeder kennt. Aber man muss sagen, dass sie doch recht schnell hier reinkommen. Es ist jetzt nicht ein Kinderheim in das ich irgendwie geschickt werde, weil ich keine Eltern habe, sondern man will unbedingt kommen, das ist schonmal ein Bonuspunkt. Dann erleben viele, dass sie hier einfach optimal ausgebildet werden. Wir haben eine sehr hohe Qualität im Training und wenn sie in ihrem Heimatverein drei mal in der Woche trainiert haben und hier sechs oder sieben mal, merken sie auch selber wie sie voran kommen und Fortschritte machen. Das hilft und auch die Tatsache dass wir auf die Gemeinschaft achten. Also, wir machen auch gemeinsame Mahlzeiten und Gruppenabende. Man lässt sie hier nicht alleine rumhängen, sondern guckt schon, dass das gut geht .

Judith: Fahren die Jungs denn auch öfter nach Hause, wenn sie z.B. aus der Schweiz kommen?

Mertens: Schon , je nachdem, ob es der Spielplan erlaubt. Also wenn ich am Sonntag um 11 Uhr spiele, dann kann ich nicht erst am Sonntagmorgen um 10 Uhr hier anreisen. Das heißt ich kann am Freitag nach der Schule und dem Training heim und muss aber am Samstagabend wieder im Internat sein. Wenn keine Ferien sind und während der Runde kann man also maximal einen Tag pro Woche heim fahren. Wobei das viele dann gar nicht mehr wahrnehmen. Zum  Teil kommen die Eltern deshalb zum Spiel am Wochenende und die Jungs sagen selbst es wäre wahnsinnig stressig. Sie hätten oftmals eine lange Anfahrt, wären dann daheim, müssten 1000 Leute besuchen und kämen hier wieder erschöpft an. Das heißt je besser sie sich hier eingewöhnt haben und je mehr Freunde sie gefunden haben, desto häufiger bleiben sie hier und schlafen lieber mal aus oder gehen in die Stadt, anstatt die Fahrerei auf sich zu nehmen. Nur im Winter haben wir richtig zweieinhalb Wochen Ferien in denen sie nach Hause fahren. Im Sommer ist es schwierig weil dann die Runde wieder los geht.

Judith: Was für Partnerschulen gibt es?

Mertens: Da wären das Rotteck-Gymnasium, die Emil-Thoma-Realschule, die Max-Weber-Schule und die Staudinger Gesamtschule. Auf diese Schulen gehen die Meisten.

Judith: Was für Aktivitäten können die Jungs im Alltag nach Schule und Hausaufgaben noch machen?

Mertens: Gut, die Tage sind ja oft recht voll, zum Teil gibt es auch schon morgens Training, was die Partnerschulen ermöglichen, das ist ja auch die Idee der Eliteschulen des Fußballs. Sie werden vom DFB gefördert und der DFB unterstützt die Schulen finanziell. Somit können diese die ausgefallenen Stunden mit Extradeputatsstunden nachholen. Das heißt zum Beispiel Donnerstags ist schon morgens von halb acht bis neun Training, danach gehen sie in die Schule, kommen entweder heim zum Mittagessen oder essen etwas in der Schule falls sie Nachmittagsschule haben. Dann kommen sie hierher, lernen, trainieren, essen und müssen dann zum Teil nach dem Essen nochmal lernen. Das ist schon recht viel. Wir merken auch die Auswirkungen vom G8, da bleibt einfach mit Mittagsschule nicht mehr viel Zeit. Was wir versuchen ist in den Ferien hin und wieder Freizeitaktionen anzubieten. Wir waren z.B. mit den Jungs mal bei einer Wasserskiaktion in der Nähe oder mal im Zoo, aber das kommt wirklich selten vor.

Judith: Welche Regeln gibt es im Internat?

Mertens: Wir haben eine Hausordnung und eine Ausgangsregelung. Die Hausordnung betrifft allgemein das Leben im Internat und die Ausgangsregelung schreiben wir jeden Tag neu. Normalerweise ist es nach Jahrgängen getrennt, das heißt die älteren haben Ausgang bis Nachts um maximal 23 Uhr und die jüngeren bis 22 Uhr. Unter der Woche ist das alles kein Problem, weil eh immer aller so müde sind. Fürs Wochenende richtet man sich nach den Spielen, wenn mal eine Mannschaft kein Spiel hat und keine Schule am nächsten Tag, kann man bei den 17-18 jährigen vielleicht die Ausgangszeit ein bisschen nach hinten ausdehnen. Dann können sie auch mal ins Kino gehen oder einfach wie ganz normale Jugendliche ausgehen.

Judith: Ist Alkohol ein Thema?

Mertens: Nein, da sind die Jungs auch sehr professionell, also was sie wollen ist auch mal etwas anderes sehen oder auch mal ein Mädchen kennen lernen oder so, aber mit Alkohol und rauchen haben wir keine Probleme.

Judith: Lohnt es sich Talente von weiter weg zu holen und haben diese eine größere Chance den Sprung in den Profibereich zu schaffen weil sie mehr Potential haben als jene aus der Region?

Mertens: Nein, man kann nicht sagen, die von weiter weg sind besser. Natürlich ist es so, dass wenn wir z.B. einen Spieler aus Berlin holen, da guckt man schon zwei mal drauf, oder mehrere Trainer beobachten ihn, denn es geht ja auch um eine große Verantwortung, den Jungen aus seiner Schule und aus dem Elternhaus zu holen. Man kann dem Berliner zwar auch keine Prognose geben, dass er Profi wird, aber man muss im Prinzip schon eine gewisse Perspektive erkennen. Wenn man jetzt schaut wer es aus der Fußballschule in den Profikader geschafft hat, dann sind das sehr viele aus der Region. Wie Z. B. Ömer Toprak aus Ravensburg,  Daniel Schwaab aus Waldkirch oder Andreas Glockner aus Bad Krozingen. Es wäre ja schlimm, wenn wir nur in die Ferne schielen würden und die eigenen Talente gar nicht sehen würden.

Judith: Wie läuft die Gastfamiliensuche?

Mertens: Das ist so etwas, was sich einfach entwickelt. Wir machen es ja jetzt schon seit einigen Jahren und dann hat man sich auch schon so ein Stamm an Gastfamilien herangezogen, die dann wiederum Leute kennen. Wir treffen uns natürlich auch mit den Familien und wenn wir einen guten Eindruck haben, dann können wir da einen Jungen hin vermitteln.

Judith: Damit sind erstmal alle meine Fragen beantwortet. Vielen Dank das Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben und weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

“Mein Traum vom Fußball”, ein Porträt von Marc(19)

Viele Jungs im Alter zwischen zehn und zwanzig träumen von einer Karriere als Fußballer, doch nur wenige schaffen überhaupt den ersten Schritt.
Marc(19) hat es geschafft. Er spielt seit drei Jahren in der Jugend des SC. Die Sichter des Sportclubs wurden bei den Spielen mit seinem alten Verein, dem SC Pfullendorf, und denen der Südbadischen Auswahlmannschaft auf ihn aufmerksam. “Für mich wurde mit dem Wechsel nach Freiburg ein Traum wahr. Hier wird mir eine hervorragende Jugendarbeit und ein gutes Umfeld geboten. Außerdem ist meine  Heimatstadt Friedrichshafen am Bodensee  nicht so weit weg.”, sagt Marc. Weil der Verein  auf gute Jugendarbeit angewiesen ist, eröffnen sich den Jugendspielern viele Möglichkeiten. ” Wir durchlaufen zum Beispiel eine sehr gute die taktischer Ausbildung mit Videoanalyse nach jedem Spiel.”
Marc lebt in Freiburg in einer Gastfamilie, in der er sich wie zu hause fühlt: “Ich kann alles machen und benutzen als wäre ich ihr eigenes Kind, das ist sehr wichtig um ab und zu auch etwas Abstand zum Fußball zu haben und über andere Themen sprechen zu können!”  Sich daran zu gewöhnen nicht bei seiner Familie zu leben fiel ihm nicht so schwer. Er meint: “Solange es Spaß macht und man Erfolg hat fällt es `leichter´”
Doch auch wenn Marc glücklich ist, so muss er doch in seiner Freizeit einiges zurückstecken. “Partys am Wochenende sind während der Saison zum Beispiel so gut wie garnicht möglich” Und auch unter der Woche hat jeder Tag ein geregelten Ablauf: Morgens Schule, Mittags Freizeit bis zum Training um 18.30 Uhr, ca. 21 Uhr essen und dann totmüde ins Bett. Das ist anstrengend. Doch die guten Zusammen Arbeit des Vereins und der Max Weber Schule erleichtert ihm  die Doppelbelastung. “Wir bekommen mehr Freiheiten und es ist insgesamt nicht so streng”, erzählt Marc, der umbedigt sein Abitur schaffen und irgendwann in einer der drei Profiligen spielen. Die Anstrengungen und die Entfernung nimmt er gerne auf sich um seinen Zielen ein Stück näher zu kommen.